Patientenaussage: "Masern durchgemacht"

Interessante Fälle aus der täglichen Praxis, Verbesserungsvorschläge und Tipps zum Praxismanagement

Patientenaussage: "Masern durchgemacht"

Beitragvon schroers » 20 Jul 2011, 08:02

Frage an die Redaktion:
Wie soll man sich verhalten, wenn einem ab 1970 geborenen Patienten bei fehlender MMR-Impfung empfohlen wird, sich impfen zu lassen. Patient gibt an, in der Kindheit eine Masernerkrankung durchgemacht zu haben. Trotzdem impfen?

Antwort:
Wenn ein Mensch eine Masernimpfung definitiv durchgemacht hat, dann ist er ein Leben lang geschützt.
Aber: Die Patientenaussage alleine reicht nicht aus, gefordert wird eine "beweisende" Dokumentation.
Die akute Diagnose "Masern" ist je nach epidemiologischer Situation ohne Labornachweis mit einem mehr oder weniger großen Unsicherheitsfaktor behaftet. Ohne Nachweis keine sichere Diagnose! In der STIKO-Empfehlung heißt es dazu wörtlich: "Empfohlen wird die MMR-Impfung auch für alle nach 1970 geborenen Erwachsenen mit unklarem Impfstatus, ohne Impfung oder mit nur einer Impfung in der Kindheit [...]." Das bedeutet, der Immunstatus spielt für die Impfentschediung in dieser Altersgruppe gewöhnlich keine Rolle.
Je nach Einstellung des Patienten zur Impfung, kann ein Test auf Antikörper klären, ob bereits Kontakt zum Virus bestand und im negativen Fall geimpft wird - oder ob, wie auch bei unklarem Impfstatus empfohlen - einfach ohne Serologie geimpft wird.
Zu berücksichtigen ist daneben auch die Tatsache, dass es ja nicht nur um Masern geht. Es gibt z.B. keinen Monoimpfstoff gegen Mumps und insofern ist eine MMR Impfung auch deswegen vorzuziehen, ganz zu schweigen von einem zusätzlichen Rötelnschutz.
Dr. med. Hans-Jürgen Schrörs
Institut für medizinische Information
schroers
 
Beiträge: 254
Registriert: 11 Jun 2008, 07:45
Wohnort: Freiburg

Zurück zu Fälle aus der Praxis



cron